Beschäftigung der Tiere im Zoo

Spielerei oder Notwendigkeit?

In einer modernen Zootierhaltung wird, neben einer großzügigen Gehegegestaltung und optimalen Versorgung der Tiere, auch ihr Alltag möglichst abwechslungsreich gestaltet. In freier Wildbahn werden die Sinne durch eine Vielzahl von Umweltreizen laufend neu gefordert, was selbst in einem gut strukturierten und natürlich gestalteten Zoogehege nur bedingt der Fall sein kann. Hier müssen die Tiere sich nicht vor Fressfeinden oder -konkurrenten fürchten. Haben Sie sich einmal verletzt, versorgt sie der Tierarzt. Sie müssen nicht mühevoll auf Nahrungssuche gehen und auch keinen Durst leiden. Aber Zeit muss für die Zootiere anders ausfüllt werden, wenn es nicht zu Verhaltensstörungen kommen soll.

Hier sind die engagierten Tierpfleger gefragt, die sich heute stärker als früher um das psychische Wohlergehen ihrer Tiere kümmern und sich immer neue Beschäftigungsmöglichkeiten ausdenken. Auf diese Weise zeigt sich ein ab-wechslungsreiches Verhaltensrepertoire. In der Tiergärtnerei und den Biowissenschaften nennt man das „Behavioral bzw. Environmental Enrichment“, also Verhaltens- bzw. Umweltanreicherung.

Bei den Schimpansen beispielsweise ist ein künstlicher Termitenhügel die Attraktion. Die Schimpansen müssen sich Äste zurechtbasteln, mit denen sie dann über verschiedene Löcher in einen Honig- oder Senftopf gelangen können. Natürlich sehen sie nicht, wo sie angeln. Zusätzlich fällt stündlich eine Portion Leckereien (z.B. Rosinen, Nüsse) auf die oberste Ebene des Futterautomaten. Mit Hilfe von Stöckchen können die Leckerbissen durch Löcher bis zum Ausgangsloch in der untersten Ebene geschoben werden. Um in den Genuss des Futters zu kommen, müssen unsere Schimpansen strategische Überlegungen anstellen, sehr geschickt mit geeigneten kleinen Zweigen hantieren und auch eine Menge Geduld aufbringen. Es werden auch regelmäßig Sämereien ausgestreut, die sie wie in freier Wildbahn sammeln müssen, Futterstückchen eingepackt oder versteckt. Im Sommer ist eine Eisbombe der Hit. Kleine Leckereien werden in einem Eimer mit Tee, Fruchtsacht oder Wasser eingefroren und aufgehängt. Jetzt sind die Schimpansen den ganzen Tag beschäftigt mit Stöckchen oder Fingern die Köstlichkeiten aus dem Eis zu pulen.

Pumas kann man mit Duftstoffen und Gewürzen, wie beispielsweise Curry, aus der Reserve locken, Keas mit verschlossenen Kisten, die es zu öffnen gilt, um an den geliebten Mozzarella-Käse zu gelangen. Dazu muss man auch schon mal um die Ecke denken… Robben und Eisbären sind mit im Eisblock eingefrorenen Fisch zu beschäftigen oder im Wasser mit einem Kanister mit einer kleinen Öffnung, aus der ab und zu eine Futterfisch kommt. Robben, Eisbären, Pumas und Otter freuen sich auch über extra spezifisch für die Tierarten konzipierte Spielbälle, die Spaß und Training bieten. Tierbeschäftigung ist heute ein wichtiger Bereich im Zootiermanagement, mit der sich viele Wissenschaftler und Pfleger beschäftigen und die erheblich zum Wohlbefinden der tierischen Pfleglinge beitragen.

Beschäftigungsangebote sorgen immer für willkommene Abwechslung und jede Menge Spaß. Die Kooperationsbereitschaft der Tiere verbessert sich, was dann den Tierpflegern bei ihrem täglichen Umgang mit den Tieren zugute kommt. Auch das Umsperren oder veterinärmedizinische Untersuchungen werden erleichtert. Dem Erfindungsgeist der Tierpfleger sind keine Grenzen gesetzt. Spielverhalten kann so verstärkt werden, Aggressionen und Stereotypien werden vermieden. Der Zoo am Meer liegt viel Wert darauf und daher finden bei uns auch wissenschaftliche Untersuchungen zu diesem Thema statt.