Tiermedizin im Zoo

Vorbeugen ist besser als heilen!

Voraussetzung dafür, dass Zootiere möglichst lange gesund bleiben, sind großzügig und modern gestaltete Tieranlagen, wie sie hier bei uns im Zoo am Meer zu sehen sind. Auch die gute Betreuung durch unsere Fachkräfte in der Tierpflege ist unentbehrlich. Darüber hinaus leistet sich dieser kleine Zoo eine eigene Tierarztstelle. Warum? So viele Patienten wird es doch wohl nicht geben? Richtig, denn der Schwerpunkt der Zootiermedizin liegt auf der Vorbeugung.

Stellen Sie sich einen Hausarzt vor, der sich nicht nur im Krankheitsfall um Sie sorgt, sondern permanent Ratschläge etwa in folgender Form erteilt: „Leg bitte den Keks weg. Darin ist zuviel Fett und Cholesterin enthalten. Streiche die dritte Tasse Kaffee, das Koffein wird dein Herz kaputt machen. Repariere die kaputte Treppe, sonst fällt noch jemand hin und wird sich die Beine brechen. Es ist schön, dass du nun mehr trainierst und einige Pfund Gewicht verloren hast. Weiter so!“ Das beschreibt den Kern der Tiermedizin im Zoo sehr gut.

Die Schwerpunkte liegen also auf der Förderung von Maßnahmen, die die Gesundheit erhalten bzw. der Verhütung krankmachender Ursachen. Dazu gehören, in ständiger Zusammenarbeit mit den Tierpflegern, regelmäßige Impfungen abhängig von der Tierart, ständige parasitologische Kontrolle des Tierbestandes, die Überwachung physiologischer Parameter der Tiere sowie eine stetige Optimierung der Sozial- und Gehegestrukturen, der Fütterung und der Hygiene.

Natürlich werden auch bei uns einmal Tiere krank. Das gehört zum Leben dazu. Dann geht es nach Diagnosestellung darum, die Selbstheilungskräfte des tierischen Organismus zu unterstützen. Dazu müssen auch schon einmal Medikamente verabreicht werden. Am einfachsten ist das über das Wasser oder das Futter. Doch manchmal ist auch eine Spritze notwendig. Nur leider hält unser Eisbär seine Tatze nicht auf Kommando hin, den Puma kann man nicht freundlich um sein Hinterteil bitten und auch der Schimpanse hatte sich den Verlauf des Tages ein wenig anders vorgestellt. Dann wird mit Hilfe eines Blasrohrs oder Gewehrs eine „fliegende Spritze“ verschossen, die das gewünschte Medikament „aus der Distanz“ in einen Muskel des Tieres injiziert. Manchmal muss ein Tier so auch betäubt werden, aber nur wenn es absolut notwendig ist. Dies kann für die Entnahme bestimmter Gewebe- oder Blutproben der Fall sein, für einen Transport oder für operative Eingriffe.

Wir haben uns dem Wohlergehen unserer Tiere verpflichtet. Somit ist auch eine zeitgemäße Ausstattung der tierärztlichen Räumlichkeiten selbstverständlich. Nach Definition der WHO (World Health Organization) ist „Gesundheit ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ Die Tiermedizin im Zoo ist daher eingebettet in das umfangreiche Gebiet der gesamten Tiergartenbiologie, um genau dieses Wohlergehen für unsere Tiere aufrechtzuerhalten.

Im natürlichen Lebensraum wird nur ganz selten das für eine Tierart mögliche Höchstalter erreicht. In freier Natur bedeutet alt zu sein, Beute zu sein oder nicht mehr genug Beute oder anderes Futter zu finden bzw. aufnehmen zu können. In menschlicher Obhut hingegen, bei guten Haltungsbedingungen und guter Pflege, werden Zootiere meistens viele Jahre älter als in der Wildbahn, so dass sich Tierpflege und Tiermedizin immer auch auf diverse Alterseinschränkungen bzw. Altersgebrechen einzelner Tiere einstellen müssen. Ein gutes Beispiel zum Thema Altersmedizin (Geriatrie) bei einer Eisbärin finden Sie hier im Artikel „Irka“ wieder agil, erschienen als Anwendungsbericht in der WDT-News, Ausgabe 1/2011 (Fachmagazin der Wirtschaftsgenossenschaft deutscher Tierärzte).

Für die tiermedizinische Verwaltungsarbeit nutzen wir die Tierarzt-Software „VetStar“.